…und sie bewegt sich doch (noch!?) nicht…

…wie gut gibt es den geduldigen Blog, in dem man sich seiner Enttäsuchung entledigen kann, einfach damit man sie nicht alleine mit sich trägt: Das Projekt konnte wieder nicht eingereicht werden wegen eines völlig lapidaren Rechtschreibefehlers, der laut unsererJuristin überhaupt nichts mit der Sache zu tun hat. Es folgt ein eingeschriebener Brief von ihr, dann das Abwarten der Antwort, ein erneuter Gang auf die Gemeinde etc. etc. die Inkompetenz und Überheblichkeit der portugiesischen Beamten, die sie kompensieren mit einer Tüpflischiesser-Mentalität macht deutlich, weshalb hier wie auch in anderen südlichen EU Staaten die Dinge so schief stehen. Parallel dazu wächst das Verständnis für all jene, die sich immer mehr in die Grauzone der Legalität verabschieden oder ganz in die Illegalität fallen oder aber, wie es sogar vom Bildungsminister gegenüber den Lehrkräften öffentlich empfohlen wurde, das Land verlassen… Sogar Kater Findus kugelte sich vor lachen, als er davon hörte.
Habe ich im letzten Eintrag vom schönen Büchlein “Das Geräusch einer Schnecke beim Essen” geschrieben, so folgt nun hier “das Geräusch eines protugiesischen Beamten beim Arbeiten”:……………… Ein portugiesischer Beamter würde wunderbar ins Zendo passen, denn er macht beim (Nicht)Arbeiten überhaupt keinen Lärm.
Soweit sind wir nicht. Wir machen weiterhin Lärm und “auswandern” tun wir auch nicht. Wir pflegen weiterhin unsere Wildpflanzen und kultivieren Tomatensorten von Pro Specie Rara. Ich halte nun Ausschau nach der seltenen Neuzüchtung der “Beamta Portugesa Arbeitensis”, eine verheissungsvolle, allerdings sehr langsam wachsende Neuzüchtung, die bis jetzt aber nur gegen einen sehr hohen Preis zu bekommen ist… und auch das nur auf dem Schwarzmarkt. Solltet Ihr sie irgendwo antreffen, sofort patentieren lassen. Damit lässt ich viel Geld verdienen. Verzeiht den sarkastischen Unterton, ich werde mich zukünftig wieder gepflegterer Ausdrucksformen bedienen! Freuen wir uns unterdessen am wunderbaren Mohn, den prächtig gedeihenden Kartoffeln und den langsam wieder zu richtigen Persönlichkeiten heranwachsenden Olivenbäumen.

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Das Geräusch einer Schnecke beim Essen….

Noch ganz bewegt vom Fastenkurs im Lassalle-Haus, bin ich gestern wieder ins schöne, aber von der Trockenheit gezeichnete Portugal heimgekehrt. Der Kurs wartete mit einigen wunderbaren Überraschungen auf, die ich gerne mit Euch teile: Begonnen hatte er mit einem eindrücklichen Vortrag von Françoise de Wilhelmi, der Leiterin der Fastenklinik Buchinger. Sie berichtete über die neusten Forschungsergebnisse im Zusammenhant mit dem Fasten: Nun hat man entdeckt, dass das Fasten sogar zur Unterstützung der Krebstherapie eingesetzt werden kann. Sie wies auf einen ganz spannenden Film hin, der am 29. März um 22.10 Uhr auf ARTE ausgestrahlt wird. U.a. wird die Arbeit eines jungen italienischen Forschers vorgestellt, der aufzeigen kann, dass das Fasten das Immunsystem in Alarmbereitschaft setzt, so dass es weit weniger anfällig reagiert, wenn es einer Chemotherapie ausgesetzt wird: Ein Experiemnt mit Mäusen zeigte, dass normal essende Mäuse mit den Mitteln der Chemotherapie starben, während Mäuse, die einem nur 24-stündigen Fasten ausgesetzt wurden, allesamt praktisch ohne Nebenwirkungen überlebten! Der Film wird auch noch andere Gebiete des Fastens berühren! Sehr spannend!!!
Dann stiess ich durch einen lieben Freund auf einen ganz eindrücklichen Film, den es zwar schon seit 2009 gibt, von dem ich aber noch nie gehört hatte: Jann Artus Bertrand, bekannt von seinen “die Erde von oben” Fotos, hat ihn gedreht. Eindrücklich schön und auch aufrüttelnd. Ich trage mich mit dem Gedanken, ihn als Einstieg für einen Bigmind Kurs einzusetzen und dann mit verschiedenen Stimmen der Erde zu arbeiten und zu sitzen…. Er heisst “HOME” und kann entweder in Youtube, oder natürlich schöner, auf einer grossen Leinwand gesehen werden. Bestellbar als DVD günstig über Amazon. Es ist hilfreich, den Film in einer Gruppe zu sehen und nachher darüber auszutauschen. Wir haben ihn während des Fastens gesehen und waren wirklich beeindruckt!

Und schliesslich noch ein letzter Hinweis. Ich habe das ebenso schöne wie rührende Büchlein geschenkt bekommen mit dem Titel: “Das Geräusch einer Schnecke beim Essen” von Elisabeth Tova Bailey. Es ist ihre eigenen Geschichte: Eine Viruserkrnakung fesselt sie während Jahren ans Bett. Von einer Freundin erhält sie ein Pflänzchen mit einer kleinen Schnecke darin. Elisabeth freundet sich mit dieser Schnecke an und beobachtet sie mit viel Einfühlungsvermögen. Sie entwickelt sich zur Schneckenspezialistin und gibt uns einen genauen und zärtlichen Einblick in diese Freundschaft, in das Wesen und das Leben der Schnecken.
Es ist das erste Buch, das ich wirklich im Schneckentempo lese, um kein Wort und keine Einsicht zu überlesen. Wer es liest, wird wohl kaum je wieder achtlos an einer Schnecke vorübergehen. Sogar eine Ameise habe ich heute verschont, nachdem ich sie im 1.Impuls loswerden wollte, weil mir das Büchlein in den Sinn kam. Ein Zenbuch par excellence! Auch eine Schnecke hat Buddhanatur!
Auf Youtube kann man die kleine Schnecke essen hören und bekommt – wenigstens auf Englisch – einen Eindruck vom Buch. Erscheinen ist es jetzt aber auch auf deutsch mit oben genanntem Titel….http://www.youtube.com/watch?v=gf2suzMV_ME.

Ansonsten harren wir unseres neuen Versuchs: Bald sollte der Behördenmarathon wieder beginnen, wenn die neuen Pläne vorgelegt werden. Diesmal aber besser vorbereitet – hoffentlich… oder? In der Zwischenzeit wachsen wenigstens die Pflanzen und Bäume im Garten. Wir haben nun vier Stecklinge eines alten Brombeerbaumes gesetzt: Das gibt einen richtigen Baum mit ganz grossen Brombeeren, die man in der CH nicht kennt.

Und was bleibt noch zu sagen? Um es mit Karl Valentin zu sagen: “Nix – aber nix ist besser als garnix!” wo doch schon alles gesagt ist, wenigstens für diesmal!

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Abschied auf afrikanisch…

Findet Braima nun doch noch eine Arbeit oder will er zurück? Am Samstag Abend sein Wunsch, er wolle am Sonntag (heute) nun definitiv zurück. Es scheint, dass er sich daran gewöhnt hat, nur von einem Tag auf den andern, manchmal nur von einer Stunde auf die andere zu leben und zu entscheiden, selbst so einschneidende Entscheidungen wie die Rückkehr nach Guinea. Etwas zu planen war wohl nie wirklich Bestandteil seiner Lebensmöglichkeiten gewesen. Immerhin liegt ja noch eine Nacht dazwischen. Also Koffer packen und ihn noch mit ein paar Kleidern und Schuhen versorgen. Nur hat er seinen eigenen Koffer schon so voll bepackt, dass ich ihm einen von unsern “leihen” muss. Diesen kriegt er ohne Schwierigkeiten voll, denn irgendwoher erscheinen immer neue Dinge, die er mitnehmen will. Wahrscheinlich hofft der, die Sachen verkaufen zu können. 30 kg wiegt das Ding, das später auf dem Weg zum Flughafen “aufplatzen” sollte. Da es Richtung Afrika geht, denke ich, rechnet man nicht so genau – so hoffte ich wenigstens.
Dann ab ins Internet und flux ein Ticket online bestellen – wird aber abeglehnt, weil aus Sicherheitsgründen Tickets nach Afrika 72 Stunden vorher reserviert werden müssen. Auf nachfrage meint die Angestellte am Telefon aber, dass die Reservation 24 Stunden bestehen bleibe und ich könne dann direkt am Flughafen bezahlen. Dann wieder Koffer packen, resp. beknien (zu Zweit) damit er wenigstens zu ist. Zum Schluss bleibt doch noch ein kleiner Berg Kleider übrig, die er noch schnell einem Freund vermachen will. In der Nacht höre ich immer wieder ein Rumpeln und Stampfen und vermute, dass Braima noch neue Dinge entdeckt, die er auch noch irgendwie in den Koffer packen will (alte Uhren, ein ausgedienter Fotoapparat, Batterien etc. selbst alte Turnschuhe, die ihm José gegeben hatte. Alles war wertvoll für ihn. Am Morgen dann ab zum Flughafen, wo ich am Schalter freundlich darauf aufmerksam gemacht werde, dass leider keine Reservation mehr bestehe und ich darum eine neue machen müsse, die aber 4o Euro Zuschlag kostet. Ich rechne in sFr. und tröste mich kurz mit dem Gedanken, dass ich vor einem Jahr viel mehr hätte bezahlen müssen, um nicht noch unfreundlicher zu werden als ich es in den Augen der Angestellten schon war…
Dann zum Einchecken: Der Koffer sei doch zu schwer, jedoch könne er das Gewicht auf zwei Gepäckstücke verteilen. Zum Glück hatte ich in dumpfer Ahnung doch noch Braimas eigenes, leeres Köfferchen eingepackt und konnte dieses aus dem Auto holen. Nur hatte der Gute selbiges abgeschlossen und der Schlüssel sei wohl in Albufeira… Also rasch einen hilfsbereiten Arbeiter für eine Zange anfragen, mit deren Hilfe wir das Schlösschen (zum Glück Made in China) knacken konnten, dann umpacken und nach kurzer Umarmung reihte sich Braima in die Menschenschlange zur Kontrolle ein, wo er sich, nachdem es bei ihm piepste, seiner glitzernden Kette (woher er die wohl hat?) und etlichen andern Utensilien entledigen musste, um endlich durchgelassen zu werden, aber erst, nachdem sie ihn noch abgetastet hatten. Ohne Blick zurück steuerte er auf die erste Boutique zu, wo er hoffentlich nur schaute und nicht gleich schon das für die Busfahrt in Guina bestimmte Geld verbrauchte. Und nun wartet er (hoffentlich…) in Lissabon auf seinen Anschlussflug nach Bissau, wo ihn eine total ungewisse Zukunft erwartet, falls wenigstens die auf ihn wartet.
In diesen Stunden danach fühle ich mich recht elend. Ein kleiner Moment der Erleichterung war zwar dabei, weil ich nun wohl sein Schicksal nicht mehr so hautnah miterleiden musste. Aber dann kommt mir Frage auf Frage: Hätte ich mich noch mehr für ihn einsetzen sollen? Ihm mehr Geld mitgeben sollen? Ihn hier besser unterstützen sollen? Nachdem wir ihm einmal Geld gegeben hatten, kam gleich darauf die nächste Anfrage eines Onkels aus Bissau, der auch Geld brauchte. Wir haben das nicht gemacht, sonst wären wohl bald weitere Onkel oder Cousins aufgetaucht, sondern versorgten ihn einfach mit praktischen Dingen.
Die Kommunikation mit Braime war recht schwierig und anstrengend, weil er einfach sehr wenig verstand und sich noch weniger und nur mit einzelnen Worten mitteilte. Sein häufigstes Wort war “Sim” (Ja). Gehst Du heute weg oder bleibst du hier? “Sim”. Hast du verstanden, was ich nicht gesagt habe? “Sim.” Wieviel gibt 2×2? “Sim.” So wussten und erahnten wir wenig von dem, was sich in ihm abspielte. Er blieb uns ein Stück fremd und wir wollten ihn auch nicht ständig ausfragen. Auch von seiner Aufnahmefähigkeit schien er eher bescheidene Möglichkeiten zu haben und zeigte keinen wirklichen Wunsch, hier etwas lernen zu wollen und wenn es nur portugiesisch gewesen wäre. Wir sahen ihn wenig, oft war er einfach unterwegs. War es Scham oder war er einfach scheu? Auch seine Kollegen, die wir z.Teil kennen, wurden nicht recht schlau aus ihm. Er werde uns Bescheid geben, wenn er “Zuhause” ankomme. Ebenso unscheinbar, wie er plötzlich da gestanden war, ist er nun auch weitergegangen. Ob wir noch einmal etwas von ihm hören werden? Möge Deine Familie Dich freundlich aufnehmen und mögest Du willkommen sein in Deiner alten neuen Heimat.

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Gegensätze

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Nach etwa fünf Wochen in der Schweiz ist mein Flugzeug vor ein paar Tagen wieder in Portugal gelandet und ich komme nun allmählich auch selber wieder an. Die Unterschiede und Gegensätze sind erstaunlich und es braucht Zeit zu verstehen, dass wir uns in der einen Welt befinden. Da habe ich mir doch grad noch die Ohren abgefroren bei den eisigen Temperaturen in Trogen, wo das Thermometer an einem Morgen minus 23° anzeigte und nun essen wir draussen bei knapp 20°. Und der menschliche Körper passt sich einfach an. Zwei Bilder stammen von meiner ersten und ganz wunderbaren Schneeschuhtour auf die Fähneren im Alpsteinmassiv. Um welche zwei es sich handelt dürfte unschwer zu erraten sein….(K)ein Traum! Allerdings ist es auch hier in Portugal nachts recht kalt. So kalt, dass unsere Kartoffeln dem Frost zum Opfer gefallen sind, resp. das Kraut und so konnten wir dennoch ein paar Minis ernten. Und Ibrahim setzt sich in der Früh seine Mütze auf, die er auch dann nicht abnimmt, wenn die Temperaturen auf gegen 20° steigen. Dafür hat es seit Wochen nicht mehr geregnet und heute mussten wir sogar wässern. Ansonsten haben wir einen Teil des Hauses erneut aus dem Dornröschenschlaf geweckt, denn, wie es bei Dogen’s Genjokoan im Blick auf die Menschlichkeit heisst: “Unkraut wächst, auch wenn wir es ausreissen”.
Ein weiterer, heiterer Unterschied: Werden in der CH Zugverspätungen schon ab ganz wenigen Minuten mit Entschuldigung angegeben, so sind wir hier froh, wenn der Zug überhaupt kommt, resp. das Flugzeug einigermassen pünktlich landet, was dieses Mal der Fall war, dafür hat es leider für das Gepäck nicht mehr gereicht. Man kann halt nicht alles haben.
Doch die grossen Gegensätze erleben wir mit Ibrahim. Er hat in den zwei Monaten, die er nun bei uns ist, gerade einmal für einen Tag Arbeit gefunden (abgesehen von den Zeiten, die er mit uns unterwegs ist). Auf einer Baustelle hat er dafür 30 Euro bekommen. Davon musste er 10 zu seiner Familie nach Guinea schicken, weil die Mutter krank war. Die Krankheit entpuppte sich als Geburt eines weiteren Kindes. Die Mutter von Ibrahim ist nach seinen Angaben 36 oder 39 Jahre alt und er hat ungefähr fünf Geschwister. Das Geld schickte er in einem gewöhnlichen Brief, da er so die Transferkosten sparen konnte. Offenbar ist es in Afrika oft so, dass derjenige, der Arbeit hat, seine Familie (dazu gehört sozusagen das ganze Dorf) unterstützen muss, selbst wenn “Arbeit haben” bedeutet, nur für einen Tag Lohn zu bekommen.
Wir haben uns entschieden, Ibrahim das Flugticket nach Hause zu bezahlen, weil er hier schlicht keine Zukunft hat und sein Bruder auch nicht mehr da ist. Am Liebsten würde er gleich nach Hause. Er will sich aber vorher noch einen Fotoapparat kaufen. Wie bitte? Einen Fotoapparat, gerade das, was er dringendst braucht. Mit welchem Geld? Weiss ich auch nicht.
Wir arbeiten auf jeden Fall nun wieder gemeinsam in Arroteia und rechnen ihm einfach einen guten Stundenlohn an für sein Ticket, denn Geld geben wir ihm nicht direkt, sonst kauft er sich tatsächlich an Stelle seines Tickets irgend etwas anderes. Das ist schwer nachzuvollziehen, aber wer kann es ihm verübeln? Er hat nichts und an seine Zukunft wagt er wohl kaum zu denken. Jeder Tag ist für ihn ungewiss. Da er sehr wenig spricht und noch weniger versteht, versuchen wir uns vorzustellen, was in ihm vorgehen könnte.
Ach ja, und Arroteia nimmt nun einen neuen Anlauf. Maria da Luz und Francisco unterstützen uns nun. Wer sich interessiert für ihre Art zu bauen, kann sich auf www.betaoetaipa.pt schöne Bilder ihrer Projekte anschauen. Wir sind wieder etwas zuversichtlicher und wagen daran zu glauben, dass sich doch noch etwas tun könnte, bevor die nächste Inkarnation fällig wird, die ich ja sowieso nicht erlebe, weil es mich dann gar nicht mehr gibt. Gemäss Dogen’s oben genannten Text ist Feuerholz einfach nur Feuerholz, nicht mehr und nicht weniger. Seine Zukunft ist nicht Asche und es hat seinen Wert nicht in dem, was zukünftig aus ihm wird, sondern ist einfach Feuerholz. Und so freue ich mich, dass ich auch einfach der Marcel heute sein darf und es nicht erst werde, wenn wir Arroteia einmal realisiert haben. Und selbst wenn wir wieder scheitern sollten, so weiss ich seit dem schönen Gedanken von Thomas Alva Edison: “Ich bin nicht gescheitert, ich habe nur zehn Tausend Möglichkeiten gefunden, die nicht funktionieren.” In diesem Sinn sind wir, wie Picasso es sagt, nicht Suchende, sondern Find-ende. Womit ich für dieses Mal auch das Ende gefunden habe. Punkt.

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“Man soll die Dinge nicht so ernst nehmen, wie sie sind…” Karl Valentin

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Immer aufs Jahresende hin, scheint mir dieses Wort von Karl Valentin am Passendsten. Ohne Humor wäre unser Leben kaum zu bestehen. Gestern haben wir uns mit unseren neuen Partnern getroffen, Maria da Luz, Architektin und ihr Mann Francisco, Bauunternehmer. Ich kannte sie von einem Besuch bei einem Schweizer Bekannten, für den sie bereits vor einigen Jahren ein Lehmbauhaus realisiert haben. Sie haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir Arroteia viel einfacher und darum auch günstiger umbauen und so die Verluste wieder ausgleichen können, die uns von unserer ersten Erfahrung entstanden sind. So haben wir etwas neuen Mut gefasst und wagen uns nun also noch einmal an dieses Abenteuer. In der Zwischenzeit habe ich mit unserem Weihnachtskind Ibrahim wieder gejätet und geräumt. Und die Wildpflanzen, die wir letztes Jahr gesetzt haben, finden langsam ihr Zuhause. In der Pause haben wir zum ersten Mal seit fast 20 Jahren den alten Brotbackofen angeheizt und darin Pizza gebacken.
Mit uns zusammen hat Ibrahim, wohl zum ersten Mal als Muslim, Weihnachten gefeiert, wo wir die Kerzen unseres “Christolivenbaums” jeweils mit Fürbitten und guten Wünschen anzünden. Er hat weiterhin keine Arbeit, hilft aber im Haus mit, wo er kann. Da er hier wenig Chancen hat und es nicht einmal sicher ist, ob sein Kurs, für den er sich angemeldet hat, stattfinden wird, weil im Zuge der Krise hier leider auch im Schulsektor gespart wird, wollen wir schauen, ob wir Kontakt bekommen zu seiner Schule in Guinea Bissau, so dass er nach Hause gehen könnte, auch wenn es dort nicht rosig aussieht.
Andri ist seit ein paar Wochen in der CH und versucht dort eine Lehrstelle zu finden. Das Bild mit ihm stammt von seinem Abschiedsessen und José ist weiterhin am Blühen. Ihm gefällt es hier.
Für Euch alle, die Ihr uns hier begleitet, gute Wünsche für Euren Weg mit einem Text als Dank:

Echte Freunde

Freunden kann auch mal der Kragen platzen, wenn sie mit dir reden, aber nur, weil ihr Herz für dich bis zum Halse schlägt.
Freunde stört es nicht, bei dir fernzusehen, auch wenn du schon längst ins Bett gegangen bist.
Freunde kämpfen für dich nächtelang im Gebet und sagen dir: “Ich habe neulich an dich gedacht”.
Freunde möchten deine Welt kennen lernen und entdecken immer neue Erdteile.
Freunde erleben dich mit verklebten Augen, ungewaschenen Haaren und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Schönheit.
Freunde können es sich leisten, bei einem Witz, den du erzählst, nach der Pointe zu fragen.
Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln und sie fragen dich: “Tee oder Kaffee?”
Freunde reden manchmal blödes Zeug, weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast.
Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus, dafür aber in deinem Kühlschrank.
Freunde geben dir im Winter ihr letztes Hemd und behaupten, sie wollten sich sowieso gerade sonnen.
Freunde machen es so ähnlich wie Gott: Sie mögen dich so, wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst.

Albrecht Gralle

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Unerwarteter Nachwuchs…eine Weihnachtsgeschichte?

Dass ich in meinem Alter noch einmal Vater würde, hätte ich eigentlich nicht vermutet. Doch als ich am Sonntag vom Fastenkurs nach Hause kam, kündigte mir Cristina eine Überraschung an: “Zuhause wird ein neues Familienmitglied auf dich warten, er heisst Ibrahim und stammt aus Guinea Bissau.” (Kein Wunder, dass wir in unserem Alter keine Babies mehr bekommen, sondern gleich erwachsene Kinder!) Und das kam so: Unser Andri hat ja ein Flair für Freunde aus fernen Landen. Dazu gehören eine ganze Reihe von Jungs aus verschiedenen Ländern Afrikas. Meist sind sie ohne Eltern hier, schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und versuchen, oft paralllel zur Arbeit, zur Schule zu gehen. Zu einer solchen Gruppe gehört der ca. 19 jährige Ibrahim (so genau weiss er sein Alter nicht, was für Afrikaner anscheinend auch nichts Ungewöhnliches ist). Bis vorgestern wohnte er zusammen mit sechs andern in einer WG. Da aber alle seine Wohngenossen weggezogen sind und ihm selbst gekündigt wurde, hatte er von einem Tag auf den andern weder Geld noch Wohnung und so hat ihn Andri kurzerhand zu uns eingeladen, wo er also nun vorübergehend wohnt. Seine Geschichte ist zu einem Teil leider die Geschichte vieler junger Männer hier. Er kam mit etwa 10 Jahren mit seinem Vater hierher, arbeitete bis 16 schwarz auf dem Bau und danach “offiziell” als Handlanger. Sein Vater kehrte aber vor ein paar Jahren heim und bat seinen Sohn, hier zu bleiben und zu arbeiten. Er kam mit einem kleinen Koffer mit seinen Habseligkeiten zu uns. Zu seinem Besitz gehören gerade Mal ein paar Socken, und zwei paar Hosen.
Noch etwas dünnhäutig vom Fastenkurs hat mich sein Schicksal schon bewegt. Andri meinte allerdings, dass es praktisch allen so gehe und sie diese Situation nicht als besonders dramatisch betrachteten. So wohnen in unserem Haus nun ganz unterschiedliche Welten unter einem Dach. Man merkt, dass Ibrahim gewohnt ist, mit andern zusammen zu leben. Er hilft mit grosser Selbstverständlichkeit mit und ist sehr ordentlich. Heute hat er mit mir Holz gesägt und dabei ganz eindrücklich gut gearbeitet. Wenn er jeweils Zeit hat, geht er am Nachmittag in die Moschee, denn er ist Moslem. Er versucht nun, die Abendschule zu besuchen, um wenigstens einen gewissen Schulabschuss zu erreichen. Aber weil das Portugiesische nicht seine Muttersprache ist, und er bereits mit 10 Jahren nach Europa kam und seither nicht mehr in der Schule war, ist das natürlich für ihn eine rechte Herausforderung. Äusserlich merkt man ihm sein hartes Leben nicht an. Wie es in ihm aussieht, kann ich nicht sagen. Er ist eher scheu und stellt sich sehr zurück. Mit der Mitarbeit bei uns, kann er sich ohne schlechtes Gewissen sein Zimmer und das Essen bei uns verdienen. Arbeit zu finden wird über die Winterzeit sehr schwierig sein. Schade, dass wir noch nicht bauen können. Dort hätten wir genügend für ihn zu tun. Aber wir werden ihn schon beschäftigen und ihn ermutigen, weiter zu schauen.
Ich habe ihn gefragt, was er denn tun würde, wenn er etwas Geld hätte: “Dann würde ich nach Guinea Bissau zu Besuch gehen, um mit meiner Familie zu sein, die ich seit vier Jahren nicht mehr gesehen habe.” Aber dann würde er wieder zurückkommen, denn das Leben in Guinea sei noch viel schwieriger als hier. So nennt er uns “pai e mae” (Vater und Mutter), und deshalb der Titel dieses Artikels, der Bezug nimmt auf mein spätes Vaterglück.
Ich freue mich, dass unsere Kinder uns so einen Schritt ganz selbstverständlich zumuten und irgendwie scheint auch gar nichts Anderes möglich. Ihn irgendwo in einer Auffangstelle abzuliefern scheint uns z.Zeit keine Lösung zu sein. Mal sehen, was sich daraus entwickelt. So hält das Leben weiterhin Überraschungen für uns bereit. Wie es schon Forest Gump sagte: “Das Leben ist wie eine Schachtel voller Pralinen, man weiss nie recht, was drin ist.”
Immerhin geht es uns nicht wie der Mutter von Jesus, Maria: Sie wird ja auf vielen Darstellungen mit eher traurigem Blick abgebildet. Und als man sie einmal fragte, wieso sie denn als Mutter des Herrn so traurig drein blicke, meinte sie: “Ach wissen sie, wir haben uns halt eine Tochter gewünscht!”
Wir sind ganz zufrieden mit unserem neuen Sohn. Da uns unser Älterer ja bald verlässt, um in der Schweiz eine Lehrstelle zu suchen, haben wir zudem auch gut Platz.
Die Auseinandersetzung mit der Architektin geht weiter. Das ist leider keine grosse Überraschung, sondern war zu befürchten…

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Wie beim “Leiterlispiel”…

Nach langer Pause melden wir uns wieder. Gehofft haben wir, an dieser Stelle vielleicht ein Bild vom Spatenstich oder sonst etwas Erfreuliches veröffentlichen zu können. Anstatt geht es uns wie in dem bekannten “Leiterlispiel”, bei dem kurz vor dem Ende der grosse Abstieg an den Anfang droht…
Als wir im August das letzte amtliche Papier erhielten, schien alles bereit. Noch die definitiven Kostenvoranschläge einholen, sich für ein Unternehmen entscheiden und los geht’s. Gesagt, getan und….
Die Nachfrage ergab, dass die effektiven Kosten rund doppelt so hoch würden wie in unserem Budget vorgesehen. (Achtung: Wir hoffen nun aber nicht auf irgendeinen grosszügigen Spender, denn niemals würden wir uns auf ein so teures Projekt einlassen wollen. Die Spenden sind sowieso nur für die Inneneinrichtung des Zendos vorgesehen). Rückfragen an den versch. Unternehmen haben ergeben, dass die Pläne ein Durcheinander von z.Teil sehr teuren Materialien beinhalten und sich Vieles einfacher und auch günstiger realisieren lässt. Nur bedarf es dazu wieder neuer Pläne und Behördengänge…
Wie ist diese Fehlkalkulation möglich? Das ist nun zu klären. Wir meinen, deutlich gesagt zu haben, wieviel wir investieren können und wollen. Laut Berechnungen der Architektin auf dem Papier hätte das ja noch einigermassen stimmen sollen, aber die Vorschläge von drei Unternehmen ergaben völlig andere Beträge. Die Architektin weist z.Zeit jegliche Schuld von sich und fordert ihr Honorar! So kommt uns nun eine ungewisse Zeit entgegen. Verschiedene Szenarien sind möglich, aber ziemlich sicher scheint, dass wir so oder so wieder ganz von Vorne beginnen müssen. Nun müssen wir aber zuerst mit der Architektin ins Reine kommen, was einem Genjokoan (einem Alltagskoan oder Lebenskoan) der höchsten Stufe gleicht, ganz im Sinne von Tokusans 60 Schlägen: Was immer ein Schüler auf Tokusans Frage antwortete, er bekam 60 Schläge verpasst. Ob das wörtlich zu nehmen ist bezweifle ich, (würde es aber liebend gern wörtlich umsetzen…) aber die Richtung ist deutlich. Es gibt im Grunde keine endgültige Antwort, und trotzdem gilt es Tag für Tag, dem Leben zu antworten, resp. nun der Architketin…
Diesen Eintrag zu schreiben ist nicht grad leicht, aber nötig. Alle, die uns unterstützen sollen wissen, dass Eure Beiträge sicher sind, resp. so sicher, wie das heute auf einer Schweizer Bank noch sein kann…. Wer aber nicht mehr warten und sein Geld kurzfristiger an ein anderes Projekt spenden will – und es gibt so viele wunderbare Projekte und Menschen, die in Not sind, was wir von uns nicht behaupten können. Unsere Situation würde ich eher mit den Worten “es isch en uhu… Sch…dreck” beschreiben – dem mehr Glück verheissen ist, gebe mir bitte ohne Hemmung sein Konto zwecks Rückzahlung bekannt (inkl. den Betrag).
Immerhin wurde die Fehlplanung aufgedeckt, bevor wir mit dem Bauen begonnen haben. Und soviel hat das Zen doch auf mich abgefärbt, dass wir nun nicht einfach vor Enttäuschung im Boden versinken, sondern schauen, wie es denn von hier aus weitergehen kann.
Der Architektin dafür zu danken, dass sie uns viele neue Lernprozesse und Wachstumsmöglichkeiten auftut, fällt mir zugegebenermassen noch etwas schwer, und lässt ahnen, dass mein Erleuchtungsgrad eher einer Sparstromlampe entspricht und durchaus noch Wachstumspotential hat… So bin ich auch froh, kann ich bald wieder aufs Kissen.
Heute habe ich allen Widerständen zum Trotz bereits die ersten Samen und Setzlinge in Arroteia ausgetan: Erbsen und Bohnen, verschiedene Salate, Kohl und Zwiebeln. Mit den ersten Regenfällen antwortet die Erde fast unmittelbar mit ihrer Grünkraft. Ein starkes Zeichen nach einem heissen, trockenen Sommer. Möge auch in unserer Wüste neues Leben keimen!
Euch allen vorläufig liebe Grüsse und Dank für Eure Freundschaft und Begleitung Marcel und Ana Cristina

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